{"id":6346,"date":"2016-03-31T13:44:10","date_gmt":"2016-03-31T11:44:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.es-law.de\/bgh-zum-defizitausgleich-oeffentlicher-krankenhaeuser-2\/"},"modified":"2026-02-27T16:01:19","modified_gmt":"2026-02-27T15:01:19","slug":"bgh-zum-defizitausgleich-oeffentlicher-krankenhaeuser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.es-law.de\/en\/bgh-zum-defizitausgleich-oeffentlicher-krankenhaeuser\/","title":{"rendered":"BGH zum Defizitausgleich \u00f6ffentlicher Krankenh\u00e4user"},"content":{"rendered":"<p>Der Bundesgerichtshof (BGH) konkretisiert in seiner Entscheidung vom 24.03.2016 die Voraussetzungen f\u00fcr Zusch\u00fcsse an defizit\u00e4re Kreiskliniken (I ZR 263\/14). Bisher liegt nur die Pressemitteilung vor, die begr\u00fcndete Entscheidung steht noch aus.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund der Entscheidung<\/strong><\/p>\n<p>Der Bundesverband Deutscher Privatkliniken (BDPK) hatte beantragt, dem Landkreis Calw zu untersagen, die finanziellen Defizite der Kreiskliniken Calw auszugleichen.<\/p>\n<p>Kern des Streits war, ob der Landkreis seine Kreiskliniken in einer Art und Weise mit der Erbringung von Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse (DAWI) betraut hat, die den EU-beihilferechtlichen Vorgaben gen\u00fcgt und damit von der Notifizierung befreit ist.<\/p>\n<p>Das EU-Beihilferecht sieht vor, dass staatliche Zusch\u00fcsse vorab der EU-Kommission angezeigt werden m\u00fcssen (sog. Notifizierungspflicht). Die Kommission entscheidet dann, ob die Beihilfe zul\u00e4ssig ist oder nicht. Wurde ein Unternehmen ordnungsgem\u00e4\u00df mit der Erbringung von DAWI betraut, greift eine Befreiung von dieser Notifizierungspflicht.<\/p>\n<p>Der Landkreis Calw hatte die Kliniken im Jahr 2008 und neu Ende 2013 mit der Erbringung von DAWI betraut.<\/p>\n<p><strong>Inhalt der Entscheidung<\/strong><\/p>\n<p>Der BGH stellte zun\u00e4chst fest, dass es sich bei den medizinischen Versorgungsleistungen der Krankenh\u00e4user um DAWI handele, dies ergebe sich bereits aus der Aufnahme in den Krankenhausplan.<\/p>\n<p>Weiter unterschied der BGH zwischen den beiden Betrauungsakten aus den Jahren 2008 und 2013. W\u00e4hrend der Betrauungsakt 2013 den Transparenzanforderungen des Freistellungsbeschlusses (2012\/21\/EU) gen\u00fcge, sei dies f\u00fcr den Betrauungsakt 2008 im Hinblick auf die damals geltende Freistellungsentscheidung (2005\/842\/EG) zu verneinen.<\/p>\n<p>Nach den Vorgaben der Kommission sei im Betrauungsakt vorab konkret festzulegen, f\u00fcr welche DAWI ein Kostenausgleich anhand welcher Parameter erfolgen soll. Dies sei im Betrauungsakt 2008 nur unzureichend ausgewiesen worden. Entsprechend wurde die Sache insoweit an das Berufungsgereicht zur\u00fcckverwiesen. Dieses muss nunmehr pr\u00fcfen, ob es sich bei den Zusch\u00fcssen des Landkreis Calw an seine Kreiskliniken um staatliche Beihilfen handelt.<\/p>\n<p><strong>Bewertung und Empfehlung<\/strong><\/p>\n<p>Die BGH-Entscheidung f\u00fchrt dazu, dass die Anforderungen der Freistellungsentscheidung \/ des Freistellungsbeschlusses nicht zu blo\u00dfen Ordnungsvorschriften degradiert werden. Zwingender Inhalt eines wirksamen Betrauungsaktes ist danach unter anderem:<\/p>\n<ul>\n<li>Gegenstand und Dauer der Verpflichtung zur Erbringung von DAWI,<\/li>\n<li>Parameter f\u00fcr die Berechnung, \u00dcberwachung und \u00c4nderung der Ausgleichsleistungen,<\/li>\n<li>Ma\u00dfnahmen zur Vermeidung und R\u00fcckforderung einer etwaigen \u00dcberkompensation, und<\/li>\n<li>Verweis auf den Freistellungsbeschluss.<\/li>\n<li>Kommunale Krankenhaustr\u00e4ger sollten ihre Betrauungsakte unbedingt auf die Einhaltung der vom BGH nun best\u00e4tigten Transparenzvoraussetzungen \u00fcberpr\u00fcfen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kommunale Krankenhaustr\u00e4ger sollten ihre Betrauungsakte unbedingt auf die Einhaltung der vom BGH nun best\u00e4tigten Transparenzvoraussetzungen \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesgerichtshof (BGH) konkretisiert in seiner Entscheidung vom 24.03.2016 die Voraussetzungen f\u00fcr Zusch\u00fcsse an defizit\u00e4re Kreiskliniken (I ZR 263\/14). 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