{"id":5331,"date":"2023-07-26T13:35:59","date_gmt":"2023-07-26T11:35:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.es-law.de\/scheinselbststaendigkeit-auch-mit-kapitalgesellschaft\/"},"modified":"2024-03-06T14:45:54","modified_gmt":"2024-03-06T13:45:54","slug":"scheinselbststaendigkeit-auch-mit-kapitalgesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.es-law.de\/en\/scheinselbststaendigkeit-auch-mit-kapitalgesellschaft\/","title":{"rendered":"Scheinselbstst\u00e4ndigkeit auch mit Kapitalgesellschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hintergrund\u00a0<\/strong><br \/>\nKrankenh\u00e4user und andere Gesundheitseinrichtungen leiden unter akutem Personalmangel. Personall\u00fccken sind fr\u00fcher durch Honorarkr\u00e4fte ausgef\u00fcllt worden. Seit dem Urteil des BSG vom 04.06.2019 sind Honorar\u00e4rzte in der Regel sozialversicherungspflichtig abh\u00e4ngig besch\u00e4ftigt. Ausnahmen gibt es nur f\u00fcr Konsiliar\u00e4rzte (wobei die wenigsten \u00c4rzte tats\u00e4chlich Konsiliar\u00e4rzte sind). Und seit dem Urteil des BSG vom 07.06.2019 sind Pflegekr\u00e4fte immer sozialversicherungspflichtig abh\u00e4ngig besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Eine selbstst\u00e4ndige T\u00e4tigkeit ist nach den beiden Urteilen des BSG im Jahr 2019 in der Praxis ausgeschlossen. Die Personall\u00fccken bestehen in den H\u00e4usern aber weiter. In diese stie\u00dfen Zeitarbeitsfirmen. \u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte werden seit den beiden Urteilen des BSG verst\u00e4rkt im Rahmen\u00a0der Arbeitnehmer\u00fcberlassung als Leiharbeitskr\u00e4fte t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Manche wollten aber bewusst keine Anstellung bei einer Zeitarbeitsfirma eingehen, sondern weiterhin selbstst\u00e4ndig t\u00e4tig werden. Deshalb gr\u00fcndeten sie eine Kapitalgesellschaft (z.B. GmbH). Der Vertrag zum Einsatz des Arztes oder der Pflegekraft wurde dann zwischen Krankenhaus\u00a0und der Gesellschaft geschlossen. Ziel dieser Gestaltung war, dass aufgrund eines anderen Vertragspartners keine abh\u00e4ngige Besch\u00e4ftigung des Arztes oder der Pflegekraft festgestellt werden kann \u2013 denn mit dieser nat\u00fcrlichen Person bestand gar kein Vertragsverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt und Entscheidung\u00a0<\/strong><br \/>\nEine solche Gestaltung lag dem BSG im Urteil vom 20.07.2023 (Az B 12 BA 1\/23 R, B 12 R 15\/21 R und B 12 BA 4\/22 R) zur Entscheidung vor.<\/p>\n<p>Nach dem BSG sind weiterhin die Umst\u00e4nde des Einzelfalls ma\u00dfgeblich. Der Umstand, wer den Vertrag abgeschlossen hat, ist nur einer von vielen. Handelt es sich um eine sog. Einmann-GmbH (Gesellschafter und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sind personenidentisch, Dritte sind nicht beteiligt), kann\u00a0aus dem Gesch\u00e4ftsinhalt unproblematisch geschlossen werden, dass die Gesamtumst\u00e4nde f\u00fcr eine abh\u00e4ngige Besch\u00e4ftigung sprechen.<\/p>\n<p>Das BSG nahm in allein drei Verfahren eine abh\u00e4ngige Besch\u00e4ftigung an.<\/p>\n<p><strong>Bewertung\u00a0<\/strong><br \/>\nDie Gr\u00fcndung einer Einmann-GmbH ist als klare Umgehung enttarnt worden. Es n\u00fctzt auch nichts, mit geringen Prozenten einen nahen Angeh\u00f6rigen zu beteiligen. Es bleibt eine Umgehung. Und selbst wenn aus sozialrechtlicher Sicht der Vertrag mit der Gesellschaft akzeptiert wird, hilft\u00a0das nicht weiter. Denn dann kommt eine Arbeitnehmer\u00fcberlassung in Betracht, die ebenfalls in die Sozialversicherungspflicht f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Neben der Arbeitnehmer\u00fcberlassung gibt es aber auch Vertragsgestaltungen direkt mit den \u00c4rzten oder Pflegekr\u00e4ften, die einerseits die Flexibilit\u00e4t wie bei Honorarkr\u00e4ften gew\u00e4hren, andererseits eine sozialversicherungsrechtlich korrekte Umsetzung garantieren. Wir haben an dieser Stelle bereits einige Vertr\u00e4ge gestaltet, die bislang bei jeder Betriebspr\u00fcfung akzeptiert worden sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hintergrund\u00a0 Krankenh\u00e4user und andere Gesundheitseinrichtungen leiden unter akutem Personalmangel. Personall\u00fccken sind fr\u00fcher durch Honorarkr\u00e4fte ausgef\u00fcllt worden. Seit dem Urteil des BSG vom 04.06.2019 sind Honorar\u00e4rzte in der Regel sozialversicherungspflichtig abh\u00e4ngig besch\u00e4ftigt. 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